
Solarstrom im Herbst & Winter: Mehr Ertrag als du denkst!
Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne sich immer seltener blicken lässt, fragen sich viele Besitzer von Solaranlagen und Balkonkraftwerken: Lohnt sich der Betrieb im Herbst und Winter überhaupt noch? Die Antwort ist ein klares Ja! Auch wenn die Erträge im Vergleich zum Sommer sinken, kann deine Anlage gerade in der kalten Jahreszeit überraschend effizient arbeiten. In diesem Beitrag erklären wir dir die physikalischen Hintergründe, wie du das Beste aus deiner Anlage herausholst und warum Kälte sogar ein Vorteil sein kann.
Weniger Sonne, weniger Strom? Die Grundlagen im Herbst und Winter
Es ist eine Tatsache: Im Winterhalbjahr, also von Oktober bis März, produziert eine Photovoltaikanlage in Deutschland deutlich weniger Strom als im Sommer. Das liegt an zwei Hauptgründen:
- Geringere Globalstrahlung: Die Globalstrahlung, die sich aus direkter und diffuser Sonneneinstrahlung zusammensetzt, ist in den Wintermonaten deutlich geringer. Im Dezember erreicht sie mit ca. 15-19 kWh/m² ihren Tiefpunkt, während sie im Sommer auf bis zu 165 kWh/m² ansteigt . Diffuse Strahlung, also indirektes Licht bei bewölktem Himmel, wird im Winter zum wichtigeren Faktor.
- Flacherer Einfallswinkel: Die Sonne steht tiefer am Himmel. Dadurch treffen die Sonnenstrahlen in einem flacheren Winkel auf die Solarmodule, was die Effizienz der Energieumwandlung reduziert .
Trotz dieser Faktoren erzeugt eine durchschnittliche 10 kWp-Anlage im Winterhalbjahr immer noch etwa 2.300 kWh Strom . Das entspricht immerhin rund 23-35 % des Jahresertrags und kann einen signifikanten Beitrag zur Deckung deines Strombedarfs leisten .
Der Kälte-Bonus: Warum deine Solaranlage Minusgrade liebt
Jetzt kommt der überraschende Teil: Kalte Temperaturen sind gut für den Wirkungsgrad deiner Solarmodule! Solarmodule sind Halbleiter und funktionieren bei kühleren Temperaturen physikalisch bedingt besser. Die Nennleistung von Solarmodulen wird unter Standard-Testbedingungen bei 25 °C gemessen. Jede Abweichung davon beeinflusst die Leistung.
- Der Temperaturkoeffizient: Dieser Wert gibt an, um wie viel Prozent die Leistung pro Grad Celsius sinkt (oder steigt). Bei den meisten kristallinen Solarmodulen liegt er bei etwa -0,3 bis -0,5 %/°C. Das bedeutet:
- An einem heißen Sommertag, an dem sich das Modul auf 65 °C aufheizt, verliert es bereits 12-20 % seiner Leistung.
- An einem klaren, kalten Wintertag bei 0 °C arbeitet das Modul hingegen deutlich über seiner Nennleistung. Pro zehn Grad Temperaturabnahme kann der Ertrag um bis zu vier Prozent steigen .
Ein sonniger, frostiger Wintertag kann also trotz kürzerer Sonnenscheindauer zu einer sehr hohen Momentanleistung führen.
Herausforderung Schnee: Was tun, wenn die Anlage bedeckt ist?
Schnee ist der größte Feind deiner Winter-Solarernte. Eine geschlossene Schneedecke auf den Modulen verhindert die Stromproduktion fast vollständig .
- Selbstreinigung: Bei den meisten Anlagen mit einem Neigungswinkel von 30-35 Grad rutscht leichter Schnee von selbst ab, sobald die Sonne die Moduloberfläche erwärmt .
- Manuelle Reinigung: Bei hartnäckiger Schneedecke oder flacheren Anlagen (wie vielen Balkonkraftwerken) kann eine manuelle Reinigung sinnvoll sein. Wichtig: Verwende niemals harte oder scharfe Gegenstände, um die Glasoberfläche nicht zu zerkratzen! Ein weicher Besen oder ein Teleskop-Wischer sind geeignete Werkzeuge. In der Regel ist das manuelle Entfernen aber nur bei langanhaltenden Schneeperioden wirtschaftlich.
Ein kleiner Bonus: Schnee auf dem Boden neben der Anlage kann durch den Albedo-Effekt die Reflexion des Sonnenlichts erhöhen und so die Leistung sogar leicht steigern .
Optimierungstipps für Herbst und Winter
- Neigungswinkel anpassen (wenn möglich): Ein steilerer Anstellwinkel ist im Winter ideal, um die tiefstehende Sonne besser "einzufangen" und das Abrutschen von Schnee zu erleichtern . Bei fest installierten Dachanlagen ist das meist nicht möglich, bei Balkonkraftwerken oder Freiflächenanlagen aber eine Überlegung wert.
- Reinigung: Befreie deine Module im Herbst von Laub und Schmutz, um sie optimal auf die lichtärmere Zeit vorzubereiten.
- Stromverbrauch steuern: Nutze Haushaltsgroßverbraucher wie Wasch- oder Spülmaschine bewusst an sonnigen Tagen zur Mittagszeit, um den Eigenverbrauch deines selbst erzeugten Stroms zu maximieren .
- Stromspeicher nutzen: Ein Stromspeicher ist im Winter besonders wertvoll. Er speichert den tagsüber erzeugten Strom, damit du ihn abends und nachts nutzen kannst, anstatt teuren Netzstrom zu beziehen .
Fazit:
Lass dich von der dunklen Jahreszeit nicht entmutigen! Deine Solaranlage oder dein Balkonkraftwerk ist auch im Herbst und Winter ein wertvoller Stromlieferant. Der positive Effekt kühler Temperaturen auf den Wirkungsgrad kann die geringere Sonneneinstrahlung teilweise kompensieren. Mit sauberen Modulen und einem an die Jahreszeit angepassten Verbrauchsverhalten kannst du auch bei Kälte und Wolken fleißig Sonnenstrom ernten und deine Stromkosten senken.
Beste Grüße, Alex